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Gedichte 
 

Johann Wolfgang von Goethe

Abschied

Lust und Qual

Unschuld

   

Zu lieblich ist's, ein Wort zu brechen, Zu schwer die wohlerkannte Pflicht, Und leider kann man nichts versprechen, Was unserm Herzen widerspricht.

Du übst die alten Zauberlieder, Du lockst ihn, der kaum ruhig war, Zum Schaukelkahn der süßen Torheit wieder, Erneust, verdoppelst die Gefahr

Was suchst du mir dich zu verstecken! Sei offen, flieh nicht meinem Blick! Früh oder spät mußt ich's entdecken, Und hier hast du dein Wort zurück.

Was ich gesollt, hab ich vollendet; Durch mich sei dir von nun an nichts verwehrt; Allein verzeih dem Freund, der sich nun von dir wendet Und still in sich zurücke kehrt.

 

Knabe saß ich, Fischerknabe, Auf dem schwarzen Fels im Meer, Und bereitend falsche Gabe, Sang ich, lauschend rings umher. Angel schwebte lockend nieder; Gleich ein Fischlein streift und schnappt, Schadenfrohe Schelmenlieder - Und das Fischlein war ertappt.

Ach! am Ufer, durch die Fluren, Ins Geklüfte tief im Hain, Folgt ich einer Sohle spuren, Und die Hirtin war allein. Blicke sinken, Worte stocken! - Wie ein Taschenmesser schnappt, Faßt sie mich in die Locken, Und das Bübchen war ertappt.

Weiß doch Gott, mit welchen Hirten Sie aufs neue sich ergeht! Muß ich in das Meer mich gürten, Wie es sauset, wie es weht. Wenn mich oft im Netze jammert Das Gewimmel groß und klein; Immer möcht ich noch umklammert Noch von ihren Armen sein!

Schönste Tugend einer Seele, Reinster Quell der Zärtlichkeit! Mehr als Biron, als Pamele Ideal und Seltenheit! Wenn ein andres Feuer brennet, Flieht dein zärtlich schwaches Licht; Dich fühlt nur, wer dich kennet; Wer dich kennt , der fühlt dich nicht.

Göttin, in dem Paradiese Lebtest du mit uns vereint; Noch erscheinst du mancher Wiese Morgens, eh die Sonne scheint. Nur der sanfte Dichter siehet Dich im Nebelkleide ziehn; Phöbus kommt, der Nebel fliehet, Und im Nebel bist du hin.